Herrmann Schütte - 1893 - 1973

Gemeinsam mit Kunsthandel Vogt durfte die Galerie Decker den gesamten künstlerischen und literarischen Nachlass dieses großartigen Mannes erwerben.

Ebenfalls beeindruckt von der Qualität seiner Werke, hat Frau Rettinger (Galerie Wimmer, München) bereits eine Ausstellung organisiert, die bis Dezember im Alpenhof in Murnau zu sehen ist. Wer die Möglichkeit hat, sollte unbedingt einen Besuch einplanen.

Sobald es unsere Zeit erlaubt, werden wir auch vor Ort in Baden-Baden, ebenso durch Herausgabe eines kleinen Kataloges, weitere Einblicke in das umfangreiche künstlerische Schaffen von Schütte ermöglichen, von frühen Drahtplastiken über die Malerei, Objektkunst und Emailbilder.

Das in nachfolgendem Bericht (Kulturverein Chronos) erwähnte Portrait von Schütte, gemalt von dem berühmten Freund Heinrich Vogeler, gehörte ebenfalls zu dem von uns erworbenen Nachlass.

Werke

"Aufwärts"
1959
39 x 30 cm
Feder und Farbstift auf Papier
signiert
Preis: 2.900 Euro

 

"Frau mit Bambusflöte"
1965
31 x 24 cm
Farbstift auf Papier - betitelt
datiert
rückseitig bezeichnet
Preis: 2.900 Euro

 

"Frau mit Hampelmann"
1947
34 cm x 27 cm
Feder auf Papier
signiert
Preis: 2.900 Euro

 

"Artist"
1949
39 x 31 cm
Feder, Aquarell und
Tempera auf Seidenpapier
monogrammiert
Preis: 2.900 Euro

 

"Lilien"
1958
80 x 60 cm
Öl auf Malplatte
signiert
Preis: 2.900 Euro

 

"Die Roten und die Grünen"
60,5 x 80,5 cm
Öl auf Leinwand
signiert
Preis: 2.900 Euro

 

"Skurriles Theater"
1957
60,5 x 80,5 cm
Öl auf Leinwand
signiert
Preis: 2.900 Euro

 

"Gewitter über dem Meer"
Holz
38 x 59 x 9 cm
Preis: 3.500 Euro

 

"Planeten"
Holz
26 x 26 x 31 cm
Preis: 3.500 Euro

 

"Adam, Eva und der Sündenfall"
Öl auf Leinwand
110 cm x 70 cm
Signiert unten rechts
Preis: 3.200 Euro

 

Kulturverein Chronos
www.chronosroma.eu

Zu den Künstlern, die Osnabrück verließen, gehörte auch Hermann Schütte, 1893 am Schölerberg
geboren. Der Flurname „Schütes Kalkofen" erinnert noch heute an die Familie. Schon früh gehörte er
zum „Wandervogel", der ihm viele geistige Anregungen gab, Wilhelm Renfordt regte ihn zur Kunst an,
die ersten Zeichnungen verloren sich an verkrüppelte Eichenstümpfe und gespenstige Weidenbäume
in der Einsamkeit des Barenauer Moores. Den 1. Weltkrieg machte er als Freiwilliger mit, ohne ein
„Held" zu sein. Vor allem lernte er Südrußland und Rumänien kennen. Als radikaler Pazifist kehrte er
aus dem Krieg zurück. Diese Linie hat er, sonst nicht immer eindeutig in seinem Weltbild, trotz
mancher Schwierigkeiten im Dritten Reich, ständig eingehalten.

Die Revolution von 1918, die moderne Kunst und die wilde Dichtung jener Zeit waren dem vom Krieg
Erschütterten Offenbarungen, alles Aufgestaute kam in ihm zum Durchbruch. Er schrieb Verse der
„0-Mensch!"-Dichtung. Bekannt wurde 1919 sein schmales, längst verschollenes Buch: „Mensch!
Gott! Ich!", das von dem Worpsweder Maler Vogeler illustriert wurde. Schütte, mit Vogeler befreundet,
lebte damals längere Zeit im Barkenhof bei Vogeler, der ein gutes Porträt von ihm malte. Ebenso war
er befreundet mit Kurt Schwitters, unter dessen Einfluß er geriet. Er bastelte „Drahtplastiken", die
ersten überhaupt, er baute auch geklebte Bilder aus Abfällen aller Art. Spuren seiner damals belachten Kunst finden sich im „Sturmreiter", in der „Aktion" und in einem schmalen Bändchen der „Silbergäule".

Da er von der Kunst nicht leben konnte, wurde er in Hamburg Kaufmann. Es gelang ihm, neben der
mühsamen Kunst, einen eigenen Betrieb aufzubauen, der sich zu einem florierenden Import- und
Exportunternehmen ausweitete. Seit dem Ende des Dritten Reiches ist seine schöpferische Quelle
wieder sprudelnd aufgebrochen. Über seine Betätigung konnte man wiederholt im Rundfunk hören.
Mehrere Ausstellungen in Hamburg, auch in der „Kunsthalle", ferner in Oldenburg, in Bremen (in der
Böttcher-Gasse), Worpswede, Witten, Bad Sooden, Düsseldorf, Osnabrück, Bersenbrück usw.
zeugten von seinem lebendigen Schaffen. Seine Vaterstadt Osnabrück gestaltete mit 120 Arbeiten
1967 eine eindrucksvolle Überschau seines Schaffens.

Seine Erzählergabe bewies Schütte in dem Band moderner Märchen, der 1948 bei Hoffmann und
Campe erschien. Weitere Erzählbände waren „Braune Kuchen", 1967, und „Phantastische
Geschichten", 1970. Viele Arbeiten blieben noch ungedruckt, so der Schlüsselroman „Auf der
Wippe", der Osnabrück während des 1. Krieges schildert. Der Rundfunk brachte laufend Kurzge-
schichten und groteske Erzählungen von ihm.

Das Wesentliche seiner künstlerischen Tätigkeit kennzeichnet ihn als Zeichner, Maler und
Emailbildner. In den Federzeichnungen geistern sonderbar geflügelte Wesen, humorvolle
Gespenster, flüchtige Traumbilder, aber auch Zeitkritisches. Realitäten und Abstraktion sind oft
merkwürdig verknüpft, wobei Doppeldeutiges sichtbar wird, das dunkel Drohende in unserem Dasein.
Bemerkenswert sind seine Bibelillustrationen. Seine Ölbilder, vielfach dunkel gehalten, oft auch
aufdringlich farbig, tragen viel zeitkritische Züge, die surrealistisch anmuten, um das menschliche
Herz in seinen dunklen Bezügen bloßzulegen.

Die letzte Station seines Bemühens waren die großflächigen Emailbilder, in denen er die endgültige
Form seiner Kunst fand. Es ist eine harte und männliche Kunst, die viel Ausdauer und Energie
fordert. Bevorzugte er bis 1962 das Geometrische, so zeigten seine letzten Bilder das Fließende, das
Musikalische. Dieser Stil spürte der Natur nach in ihren zärtlichen Verästelungen und suchte eine
Märchenwelt in unserer nüchternen Wirklichkeit. Was immer wieder bezaubert, ist die nahezu
unbegrenzte Phantasie, mit der Hermann' Schütte den nüchternen Gegenstand in die Verzauberung
führt, wie er den Alltag aus der Realität in die Hintergründigkeit der Gedanken und des Geistes führt,
wie er Spuk und Geister um uns beschwört. Ebenso wenig kann man seine ethischen Anliegen,
seine moralischen Impulse in seinen Arbeiten übersehen, mit denen er den Betrachter ansprechen
und aufrütteln will. Ungebrochen bis zu seinem Tode blieb seine Phantasie. Man könnte auf ihn
anwenden, was Paul Klee, der blühsame Phantast, einmal sagte: „Phantasie ist immer eine gute
Sache." Das umfangreiche Werk von Hermann Schütte beweist es. Ein Buch über ihn ist in
Vorbereitung. Der Künstler starb 1974 in Hamburg.

Quelle: Kulturverein Chronos - www.chronosroma.eu

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